Eine Fahrt ins Nirgendwo, niemand weiss, wohin es geht. So geht es Jorge. Doch niemanden scheint es zu stören, alle geniessen die ruhige Fahrt an einen unbekannten Ort. Jorge sitzt in einem wunderschönen Wagon, die Möbel sind aus dunklem Holz, rote Vorhänge zieren die Fenster und an der Decke hängen mehrere prachtvolle Kronleuchter. Er sitzt an einem der Holztische, auf einem der mit rotem Polster bezogenen Holzbänke und beobachtet den Barkeeper, der hinter dem prächtigen Holztresen die Gläser poliert. Im Hintergrund ist klassische Musik zu hören, die einen zum Nachdenken verleitet.
Mit einem in Gedanken versunkenem Blick denkt Jorge darüber nach, wie er in diesen Zug und diesem Abteil gelandet ist. Er erinnert sich nicht. Die gedämpfte und entspannte Atmosphäre lässt ihn den Grund als unwichtig erachten. Der Barkeeper reisst Jorge sanft aus seinen Gedanken: «Möchten Sie etwas trinken oder essen Sir?» Jorge sieht hoch und antwortet dem Barkeeper: «Hätten Sie eine Karte, in die ich einen Blick werden kann?». Der Barkeeper lächelt Jorge an und erwidert: «Nein Sir, in diesem Zug gibt es keine Karte. Sie können bestellen, was immer sie wollen, wir haben alles da.». Jorges Augen weiten sich ungläubig, doch dann antwortet er: «Nun, wenn das so ist, wünsche ich ein Glas Ihres besten Rotweins, vielen Dank.» Der Barkeeper nickt Jorge freundlich zu und entfernt sich. Kurz um bringt er den gewünschten Wein.
Jorge sieht aus dem Fenster und betrachtet die wunderschönen Gras- und Blumenwiesen, die vorbeiziehen. Der Himmel verfärbt sich in den schönsten Farben, die Sonne geht nach und nach unter- Der Zug bewegt sich mit einer konstanten Geschwindigkeit, die es Jorge erlaubt, das Geschehen draussen genauer zu beobachten. Auf einer Wiese spielen Kinder und lassen Drachen steigen. Trotz der Fenster kann Jorge das Lachen der Kinder hören. Auf Jorges Gesicht breitet sich ein Lächeln aus. Auf einmal entdeckt er eine Frau, die weinend vor Freude in die Armen eines Mannes rennt. Es scheint, als sei er gerade von einer längeren Reise zurückgekehrt. Je weiter der Zug fährt, desto mehr taucht Jorge in die verschiedenen Kulissen ein, die sich vor dem Fenster des Zuges abspielen. Diese Augenblicke breiten ein wohliges Gefühl in Jorge aus. Lachende Kinder, eine Mutter die ihr Neugeborenes Mädchen wiegt, der Vater, der sie auf die Stirn küsst, junge Erwachsene, die ihren Eltern zum Abschied winken und in die weite Welt ziehen sowie ein älteres Paar, dass Hand in Hand spazieren geht.
Jorge sieht sich um, betrachtet die anderen wenigen Passagiere im Zug und erkennt auf einmal, dass es sich nicht um das «Wohin», sondern um das «Was» handelte. Er sieht noch einmal aus dem Fenster, lächelt wehmütig, während er ein weiteres Szenario wahrnimmt und sagt: «Das wird er wohl sein, der letzte Zug.»
Der Zug fährt in einen Tunnel, alles ist dunkel, doch dann umhüllt ihn warmes unendliches Licht.
Eine Geschichte über die letzte Fahrt ins Nirgendwo, über die Bedeutung der geschaffenen Erinnerungen und die Leichtigkeit, die einem am Ende umgibt.


