Ich sehe dich

Schweissnasse Hände, Angst unter meiner Haut, mein Herz laut.
Vor mir die Schwelle der Akzeptanz, die Tür des Loslassens, des Zurücklassens. So viele Male wollte ich sie zuschlagen, zumauern, den Schmerz, die Wut mit ihr begraben. Abertausende Male habe ich ihr den Rücken zugekehrt, sie verdrängt und doch gedanklich mit mir getragen.

Irgendwann stand ich wieder vor ihr.
Sie schliessen? Sie übertreten?

Ein Richtig gibt es nicht, ein Falsch gibt es nicht. Nichts ist leicht. Die Schwelle fühlt sich unüberwindbar an, die Tür schenkt mir nicht die Erlösung, die ich in ihrer Geschlossenheit suche.

Beide Wege rissen in meinem Kopf um den ersten Platz und zu gewinnen gab es nichts.

Doch an diesem einen Tag war ich mutig. Und plötzlich war es klar.
Ich atmete das Gewicht von meinen Lungen und trat einen Schritt vor, dann noch einen, bis ich sie überwunden hatte, die Schwelle, die Schwelle der Akzeptanz.

Und da sah ich dich.
Und liess zu, dass du mich siehst.

Alle Zweifel an meiner Entscheidung verflogen in diesem Moment. Wie ein Feuer brannten Schmerz und Liebe im Gleichgewicht in meiner Brust, liessen mich wanken. Doch da erkannte ich dasselbe Feuer in deinen Augen, dass du mich vermisst hast, in jedem Moment, in dem ich dich vermisst habe, dass du auf mich gewartet hast, während ich mich selbst fand, bevor ich dich finden konnte.

Meine Seele wird immer nach der deinen suchen. Hürden, Steine, Abgründe wird es für uns immer geben. Meine Hand wird dir in der Ewigkeit offenstehen und immer die deine halten, wenn du nach ihr greifst.

Wundervoller Junge, ich habe dich vermisst.
Ich bin zurück.
Ich sehe dich.
Ich liebe dich, seit Anbeginn, für immer.

Valeria Cova

Über mich

Ich bin Schriftstellerin mit Hang zur Melancholie, zur Tiefe und zu Geschichten mit dunklen Schatten, Schatten, in denen es dennoch Licht gibt.